Harald Krassnitzer, Schauspieler: Ich will
keine Tüte, sondern ein Sackerl!
Mich nervt manchmal, wenn ich in unserem Land einkaufen gehe und die Verkäuferin sagt zu mir:
"Wollen Sie eine Tüte für Ihr Brötchen?" und mich dann mit "Tschüss" verabschiedet. Da neige ich
dann dazu zu sagen: "Ich brauch ein Sackerl und ich will ein Semmerl - servas!" Mit Begriffen wie
Tüte geben wir etwas von unserer Identität auf. Andererseits ist unsere gesamte Sprache durchwoben
von slawischem, jüdischem, französischem Vokabular. Bei den englischsprachigen Bezeichnungen
handelt es sich oft um Modeerscheinungen."
Im Interview mit Gerald Vukits, Die ganze Woche, Nr. 43/07, Seite 8.
Alfred Gusenbauer, Bundeskanzler: Man kann es auch
übertreiben!
Das ist nichts Neues, wenn man daran denkt, wie stark Deutsch und vor allem das
Wienerische über Jahrhunderte vom Französischen beeinflusst war. Man denke an den Pompfüneberer (=
uniformierter Bestatter). Heute gibt es eben eine starke Vorherrschaft des anglo-amerikanischen
Sprachgebietes. Daher dringen solche Ausdrücke auch in unsere Sprache ein. Bei Ausdrücken wie
"Newsflash", und dann zur "Primetime" den "Blockbuster", denke ich mir: Man kann es auch
übertreiben!
Im Interview mit Gerald Vukits, Die ganze Woche, Nr. 43/07, Seite 8.
Lotte Tobisch, langjährige Opernball-Organisatorin: Das zeugt von
Halbbildung!
Fast alles, was diesbezüglich im täglichen Gebrauch ist, ist trottelhaft. Das
zeugt von Halbbildung. Damit wollen die Menschen doch nur zeigen: "Oh Gott, wie sind wir doch
global!" Meine Groß- und Urgroßeltern haben genau denselben Unsinn mit dem Französischen gemacht.
Ich verstehe nicht, dass man heute die Computersprache ins tägliche Leben übernimmt. Ich bin
überzeugt, viele Menschen wissen gar nicht, was sie sagen, wenn sie englische Wörter
gebrauchen.
Im Interview mit Gerald Vukits, Die ganze Woche, Nr. 43/07, Seite 8.
Sandra Cervik, Schauspielerin: Ich vermeide derartige Wörter!
Ich finde, viele derartige Wörter klingen irgendwie aufgesetzt. Ich jedenfalls
versuche, sie zu vermeiden. Dazu zählen auch Modewörter wie "Lover". Ich sage auch nicht: "Jemand
hat ein Date." Das einzige, was mir vielleicht herausrutschen könnte, ist: "Das war ein cooler
Abend!"
Im Interview mit Gerald Vukits, Die ganze Woche, Nr. 43/07, Seite 8.
Otto Schenk, Regisseur und Schauspieler: Auf der Bühne würde ich
das "ne" streichen!
Ich streiche alle "nes" und "mals" aus den Rollen. Den Satz "Ich geh mal
hinüber", bringe ich nicht über die Lippen. Ich kann auch nicht sagen: "Willst nen Tee?" Gut, von
Jugendlichen ist "mal" und "ne" inzwischen auch bei uns oft zu hören, aber auf der Bühne würde ich
das "ne" streichen - außer ich lass einen Jugendlichen sprechen, dann ist es unter Umständen
ein Stilelement. In Österreich sagen wir auf der Bühne auch "König" und nicht "Könich" wie in
Deutschland. Aber ich würde keinem Schauspieler, der "Könich" gewöhnt ist, den "Könich"
abgewöhnen."
Zitiert in: Die ganze Woche, Nr. 41/2005, Seite 44.
Andrea Spatzek, Schauspielerin (spielt in der ARD-Serie
"Lindenstraße" eine Salzburgerin): Das Österreichische wird von vielen Deutschen geschätzt!
Ich habe mir ausbedungen, dass ich mir die Rollentexte mundgerecht machen darf.
"Gestern ging ich einkaufen und sah einen wunderschönen Pulli!" Ging? Sah? So redet bei uns kein
Mensch. Wir sagen: "Gestern bin ich einkaufen gegangen und habe einen wunderschönen Pulli gesehen."
Früher musste ich in die Drehbücher öfters korrigierend eingreifen, doch inzwischen haben die
Drehbuchschreiber einiges dazugelernt. Das Österreichische wird von vielen Deutschen geschätzt,
vielen gefällt meine etwas weichere Aussprache. Es gibt aber auch Leute, die mich fragen: "Können
Sie überhaupt hochdeutsch?" Darauf sage ich: "Natürlich spreche ich auch hochdeutsch,
aber mit einem österreichischen Akzent. Auch Sie sprechen hochdeutsch, aber mit einem
deutschen Akzent!"
Zitiert in: Die ganze Woche, Nr. 40/2005, Seite 44.